Was Sie heute wissen sollten

Schulen | Handwerk | Blitzer

Von Joachim Braun

Das Wichtigste aus der Region, jeden Morgen um 6.26 Uhr zusammengefasst von der Chefredaktion der Ostfriesen-Zeitung.

Recht und Gerechtigkeit haben zwar denselben Wortstamm, aber ansonsten gibt es wenig Übereinstimmung. Die Affäre um den Impferschleicher Claus Eppmann ist seit gestern Abend offiziell beendet, sie ging aus wie das Hornberger Schießen. Der Geschäftsführer des Klinikverbunds Aurich-Emden-Norden wusste zwar, dass er am 9. Januar nicht berechtigt gewesen sei, geimpft zu werden, aber da er es nicht selber verlangt hatte, sei sein Verhalten juristisch nicht zu beanstanden. So urteilte der vom Aufsichtsrat bestellte Gutachter, und die Politik in Aurich und Emden hatte dem erwartungsgemäß nicht viel entgegenzusetzen. Gleichwohl ist der von Tobias Rümmele (Aurich) und Gordon Päschel (Emden) geschriebene Liveticker von den beiden gestrigen Sitzungen ein lesenswertes Stück Zeitgeschichte. Marion Luppen hat die Diskussion im Auricher Kreistag zusammengefasst. Die Affäre sei „eine Blamage für die ganze Krankenhauslandschaft Ostfrieslands“. Und in Emden kritisierten die Grünen ein „Management-Versagen“.

Das (unbestrittene) Fehlvorhalten des Herrn Eppmann ist denn wohl vor allem ein moralisches Thema und eines der Integrität des Geschäftsführers, der seinen Mitarbeitern ein Vorbild sein sollte, nein: sein muss. Rudolf Onnen aus Warsingsfehn hat dies in einem gestern veröffentlichten Leserbrief sehr treffend formuliert: „Es ist scharf dieses in seinen Variationen vielfältige moralisch-ethische Schwert und wir beugen uns ihm bereitwillig. Und nun im Klinikverbund Aurich/Emden/Norden ist allen Fachkräften und Führungskräften aller Ebenen gerade dieses in einem Krankenhaus starke Argument durch den obersten Boss nicht nur aus der Hand geschlagen worden, sondern auch noch gebilligt durch den Aufsichtsrat – als wenn der des mittelfristigen vorausschauenden Denkens unfähig ist. Ja, ist es ein Desaster, die Mitarbeiter nicht mehr anspornen zu können, solange die moralische Verwerflichkeit selbst der Boss ist. Wenn ein Stationsarzt moralisch etwas einfordert, reicht ein ,Äp‘, um diesen zum Schweigen zu bringen. Und berechtigte Sanktionen, zum Beispiel durch die Personalabteilung, was sind sie noch wert?“

Kommen wir zu Erfreulicherem: Das Land Niedersachsen hat gestern erste Lockerungen der Corona-Maßnahmen beschlossen. Sie betreffen Handel, Gastronomie und den Sport. Landtagskorrespondent Lars Laue hat sie zusammengefasst. Aber gerade für die Schulen wäre eine baldige Rückkehr in den Normalbetrieb sehr wichtig. Doch eben diese Perspektive fehl. „Wenn der Satz ,Schulen zuerst öffnen‘ ernst genommen würde, käme in der Politik niemand auf die Idee, zuerst an Schuhgeschäfte, Hotels und Lokale zu denken – sondern mindestens genauso schnell an Bildungseinrichtungen“, schreibt Martin Teschke in seinem Kommentar.

Noch eine Meinung zum Thema Schule: Wie schon die vergangene Woche veröffentlichte Studie zur Medienkompetenz von jungen Leuten (‚UseTheNews) belegt hat, fehlt es der nachwachsenden Generation gravierend an Wissen über Medien, Mediengattungen, über Bericht und Kommentar. Stattdessen werten sie interessengetriebene Mitteilungen auf sozialen Medien als ähnlich glaubwürdig wie unabhängigen Journalismus. Das hat nun auch eine Sonderauswertung der PISA-Studie bewiesen. Martin Alberts hat sie kommentiert.

Und wie steht es um den Sport? Nicht nur die OZ-Sportredaktion sehnt sich danach, dass es wieder losgeht. Nach den gestern verkündeten Lockerungen ist Sören Siemens sicher: „Ab Montag wird es voller auf den ostfriesischen Sportplätzen.“ Fußball, Boßeln, alles wieder erlaubt, sofern die Inzident stabil unter 100 liegt. Und das trifft derzeit erfreulicherweise auf ganz Ostfriesland mit Ausnahme der Stadt Emden zu.

Das Handwerk hat goldenen Boden, heißt es. Der ist zurzeit allerdings eher löcherig, denn gerade beim Bau und beim Innenausbau fehlt es derzeit an Material. Nicht nur Bauholz ist knapp, wegen einer weltweit großen Nachfrage, sondern auch Spanplatten, Beschläge, Kunststoffrohre und anderes mehr. Und es mag paradox klingen: Trotz voller Auftragsbücher denken manche Unternehmen schon an Kurzarbeit. Christine Schneider-Berents hat sich umgehört.

Raser müssen in Ostfriesland zurzeit wenig fürchten. Vor Wochen schon wurde der Blitzer vom Typ XV3 der Firma Leivtec wegen fehlerhafter Messungen aus dem Verkehr gezogen. Seither können die Stadt Leer und die Landkreise Wittmund und Leer nicht mehr kontrollieren (in Aurich gibt es noch ein Gerät eines anderen Herstellers). Eine Lösung ist noch nicht in Sicht, schreibt Daniel Noglik.

Ich dachte, es sei ein Witz. Ausgerechnet die von mir gemietete Immobilie wurde vor kurzem auf einschlägigen Portalen im Internet zur Miete angeboten. Zu einem Preis, der so günstig ist, dass ich ihn gerne bezahlte. Als aber immer mehr Wohnungssuchende an meiner Tür klingelten, um sich nach der Wohnung zu erkundigen, wurde es langsam lästig. Ein Betrugsversuch und noch dazu einer, der mit der Not von Wohnungssuchenden spielt. Ekelhaft, Frau Ivanka Hammerstein, die angeblich in Madrid lebt und gegen Zahlung von Kaution und der ersten Miete meinen Wohnungsschlüssel rausrückt. Gabriele Boschbach hat nachgefragt.

Auf was Werbeagenturen alles kommen. Discounter Netto verkauft rechtzeitig zum Muttertag Klopapier mit dem Aufdruck „Du bist die Beste“. Aus ihrer Meinung dazu macht unsere langjährige „Frau am Freitag“ Petra Herterich keinen Hehl: „Der reine Hohn!“

Was heute wichtig wird:

  • In der Hungerzeit nach dem Zweiten Weltkrieg sollen Menschen im Rheiderland Tulpenzwiebeln gegessen haben. Aber die sind eigentlich giftig. Karin Lüppen hat sich auf Spurensuche begeben.
  • Ernst Keiser hat mit 18 Jahren angefangen Tuba zu spielen und 70 Jahre lang nicht aufgehört. Keinen Übungsabend habe er verpasst, sagt seine Frau. Dann kam Corona. Wie geht es Posaunenchören in Ostfriesland? Vera Vogt fragt nach.
  • Hat ein 39-jähriger Auricher das Haus seiner Eltern angezündet? Einiges spricht dafür, doch der Angeklagte beteuert seine Unschuld. Am heutigen Mittwoch wird der Prozess vor dem Auricher Landgericht fortgesetzt. Julia Jacobs verfolgt den Prozess.
  • Ist Richthofen ein angemessener Namensgeber für das Wittmunder Jagdgeschwader? Die Grünen finden: Nein. Ein Kriegsheld sollte kein Vorbild für eine Friedensarmee sein. Die CDU ist empört. Imke Oltmanns widmet sich dem Streit.
  • Der 2019 begonnene Bau der neuen Stromleitung von Emden nach Conneforde nimmt Fahrt auf. Netzbetreiber Tennet ersetzt die 220-KV- für mehr Windstrom durch eine 380-KV-Leitung. Heiko Müller kennt den aktuellen Stand.

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