Was Sie heute wissen sollten

Lauterbach | Groningen | Emily

Von Joachim Braun

Das Wichtigste aus der Region, jeden Morgen um 6.26 Uhr zusammengefasst von der Chefredaktion der Ostfriesen-Zeitung.

Ausgerechnet Karl Lauterbach. Der SPD-Bundestagsabgeordnete und ausgebildete Epidemiologe, mithin einer, der nicht für die Verharmlosung von Corona bekannt ist, kündigte Samstagmittag in einem Beitrag auf Twitter an, dass der Sommer doch noch für uns alle schön werde. Er meinte nicht das Wetter, sondern die Entwicklung der Pandemie. Sein Argument waren die aktuellen Fallzahlen und die Krankenhaus-Einweisungen in Israel und Großbritannien. Seit dort mehr als die Hälfte der Menschen eine Impfung bekommen haben, sind beide Kennzahlen deutlich nach unten gegangen. Nachdem es endlich auch bei uns mit den Impfquoten steil nach oben geht, dürfen wir nun hoffnungsfroh sein, uns „in der letzten Runde auf der Schlussgeraden“ zu befinden. Diese Einschätzung stützt ein wenig auch die Entwicklung der Inzidenzwerte in Ostfriesland: Alle Landkreise und die Stadt Emden sind unter 100, Wittmund hat mit 28,1 sogar den niedrigsten Wert in ganz Deutschland.

Trotzdem bleibt die Gastronomie weiter geschlossen, die Läden sind nur unter großen Einschränkungen geöffnet. Ganz anders ist das bei unseren Nachbarn in den Niederlanden. Dort wurde vorige Woche wieder geöffnet, bei einer aktuellen Inzidenz von 142. Bezogen auf das ganze Land liegt sie sogar immer noch bei knapp 300. Wie kann das sein? Sind unsere Nachbarn wahnsinnig? War der Druck auf die Regierung so groß? Daniel Noglik, Vera Vogt und unsere Groningen-Korrespondentin Anna Scheld schauten sich am Freitag in der Großstadt um und trafen auf viele Menschen, denen Abstandsregeln und Maske offenbar schnurz sind. Ihre Reportage lesen Sie hier und ebenfalls die Antwort auf die Frage, ob Ostfriesen überhaupt hinfahren dürfen. Um mit meinem Freund Tobias Köpplinger, einem großen Philosophen des Alltags, zu sprechen: Die einen sagen so, die anderen sagen so.

Vor zehn Tagen berichtete Andreas Ellinger über ein behindertes Kind, bei dem eine wichtige Operation an 400 Euro zu scheitern drohte, die ein Corona-Test hätte kosten sollen. Der Artikel löste ein großes Leserecho aus, Dutzende Ostfriesen wollten Geld spenden oder sonstwie helfen. Und wir im Verlag überlegten, ob wir unser Spendenkonto „Ein Herz für Ostfriesland“ dafür bereitstellen sollten. Ellinger, der intensiv recherchiert hatte, löste das Problem dann anders, aber eine Frage wollte er dann doch noch geklärt haben: Hätte die Emder Familie, die Hartz IV bezieht, überhaupt Spenden annehmen können oder wäre das Geld bei den Sozialleistungen verrechnet worden? Vermutlich in diesem Fall nicht, lautet die Antwort, aber: Die einen sagen so, die ... Wichtiger noch: Emilys Operation ist gut gelaufen.

Um noch einen Philosophen zu zitieren, meinen Lieblingsschriftsteller William Gibson: „Die Zukunft ist schon da, sie ist nur ungleich verteilt.“ In Emden, im neuen Geschäftszentrum „Neutor-Arkaden“ entsteht gerade der Supermarkt der Zukunft. Unter der Marke „Combi-City“ baut ihn der Leeraner Handelskonzern Bünting. Da gibt es Kassen ohne Kassiererinnen, einen Rund-um-die-Uhr-Einkauf und anderes mehr. Claus Hock hat sich den ersten solchen Markt schon mal angeschaut, in Oldenburg.

Für uns Journalisten ist heute ein wichtiger Tag, der Internationale Tag der Pressefreiheit, der seit 1994 weltweit begangen wird, um auf dieses demokratische Grundrecht aufmerksam zu machen. Insgesamt, das muss man leider sagen, ist es um die Pressefreiheit nicht gut bestellt. Ob in autoritär regierten Ländern, aber auch in vielen europäischen Staaten, und dabei nicht allein Ungarn oder Polen, haben es Journalisten schwer, ihrer Arbeit nachzugehen, wie die alljährliche Rangliste der Organisation Reporter ohne Grenzen zeigt. In Deutschland gehen viele Kamerateams und Reporter nur noch mit Wachleuten zu Querdenker-Demos, um ein Beispiel zu nennen. Der Rhauderfehner Peter Harders engagiert sich seit Jahren für den in Auslieferungshaft in London sitzenden Julian Assange, ebenso wie die Ortsgruppe Leer von Amnesty International. Ann-Kristin Hoge berichtet.

Was heute wichtig wird:

  • Jetzt soll die Stadt Leer doch einen Klimamanager bekommen soll. Dabei ist es nur ein paar Monate her, dass weder SPD noch CDU noch die Stadtverwaltung das für nötig gehalten hatten. Katja Mielcarek berichtet.
  • Uplengen zieht die Zügel bei der Vergabe von Bauplätzen an: Damit die Plätze wie gewünscht an Familien und nicht an Investoren gehen, drohen hohe Vertragsstrafen, wenn die Vergaberegeln gebrochen werden. Näheres weiß Nikola Nording.
  • Im Umweltausschuss des Auricher Kreistags geht es am Montag um die Ausweisung des Fehntjer Tiefs als Naturschutzgebiet. Landwirte fürchten wegen der damit verbundenen Einschränkungen um ihre Existenz. Sie planen eine Trecker-Sternfahrt. Marion Luppen ist dabei.
  • In Emden steht eine historische Besonderheit: die letzte Dampflok der Bundesbahn. Ein Verein will dem tonnenschweren Denkmal zurück auf die Schiene helfen. Das wird teuer, berichtet Lena Mimkes. Sie hat mit den Enthusiasten gesprochen.

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