Ostfriesland

„Junge Leute sollten sich sputen“

Auszubildende dringend gesucht: Ein Model wird vor einer Modenschau von einer Friseurin frisiert. Archivbild: Kalaene/dpa

Auszubildende dringend gesucht: Ein Model wird vor einer Modenschau von einer Friseurin frisiert. Archivbild: Kalaene/dpa

Von Martin Teschke und den Agenturen

Auch am Arbeitsmarkt geht es in Zeiten der Krise nicht gerade gerecht zu. Ostfriesland verzeichnet 18 Prozent mehr Erwerbslose und 43 Prozent weniger Stellen. Wer einen Ausbildungsplatz sucht, hat gute Chancen – unter einer Bedingung.

Ostfriesland - Wer auf die aktuellen Arbeitsmarktzahlen in Ostfriesland schaut, kann das kalte Grausen bekommen. Genau 18 Prozent mehr Arbeitslose als im Vorjahresmonat verzeichnet die Agentur für Arbeit Emden-Leer im Juli 2020. Erschwerend kommt hinzu, dass es fast 26 Prozent weniger neue Stellen gibt. Zudem hat sich der Stellenbestand um mehr als 43 Prozent reduziert, wie die Agentur am Donnerstag mitteilte. Die Zahlen klingen allerdings schlimmer, als sie sind. Gerade für junge Leute gibt es Potenzial.

Noch gebe es für Ostfriesland mehr als 650 unbesetzte Berufsausbildungsstellen in der Jobbörse, so die Arbeitsagentur Emden-Leer. Nicht alle seien veröffentlicht, weil manche Arbeitgeber den kostenlosen Service der Vorauswahl durch den Arbeitgeber-Service in Anspruch nehmen würden. Zudem meldeten Arbeitgeber vereinzelt Stellen nach, zum Beispiel, weil Bewerber kurzfristig absagten.

„Bloß nicht abwarten“

Allerdings: „Junge Menschen, die nach Ende der Schulzeit immer noch eine passende Ausbildungsstelle suchen, sollten sich sputen“, riet Agenturchef Roland Dupák am Donnerstag. „Das einzige, was man nicht machen sollte, ist abzuwarten. Da wird sich niemand melden und eine Ausbildungsstelle anbieten.“ Man müsse schon selbst aktiv werden, daran habe auch der Fachkräftebedarf nichts geändert.

In Ostfriesland liegt die Arbeitslosenquote im Juli dieses Jahres bei 6,8 Prozent (Juli 2019: 5,8 Prozent). In Niedersachsen sieht es mit 6,2 Prozent nur leicht besser aus. Auch landesweit stieg die Quote kräftig an: um 21,2 Prozent. Gerade für das Land gibt es Licht am Ende des Tunnels. „Erfreulich ist, dass die Bereitschaft von Unternehmen, neues Personal einzustellen, nach dem corona-bedingten Einbruch allmählich wieder zulegt“, sagte Johannes Pfeiffer, Chef der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit (BA). Im Juli wurden in Niedersachsen 13 940 freie Stellen neu gemeldet. Das war gut ein Fünftel mehr als im Juni. Im Jahresvergleich waren es aber ein Fünftel weniger Stellen als im Juli 2019.

Mehr Stellen als Bewerber

Auch landesweit gibt es besonders für junge Leute Grund zur Hoffnung. Laut Agentur gab es im Juli in Niedersachsen noch 20 670 angebotene Lehrstellen bei nur 15 720 Bewerbern, die suchten. Ohnehin ist beim Blick auf die Zahlen alles relativ. Die Argumentation: Trotz Corona-Krise steht der Arbeitsmarkt in Deutschland nach Einschätzung des Bundesarbeitsministeriums verhältnismäßig gut da. Staatssekretär Björn Böhning (SPD) sagte am Donnerstag laut einer Mitteilung, es sei deutlich sichtbar, dass der deutsche Arbeitsmarkt diese Krise im weltweiten Vergleich gut verkraftet habe. „Nun ist es wichtig, dass auch die Unternehmen die Grundlagen für ein wirtschaftliches Comeback unseres Landes schaffen.“ Böhning rief dazu auf, „wo möglich“ weiter auszubilden. Der Staat unterstützt Unternehmen, die trotz Krise ihr Ausbildungsengagement erhöhen, mit Prämien. Nach Ansicht des Ministeriums tritt die deutsche Wirtschaft derzeit „in eine Phase der leichten Erholung ein“.

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) von Juni auf Juli in saisonüblicher Höhe gestiegen. Im Juli waren 2,91 Millionen Menschen ohne Job, 57 000 mehr als im Juni und 635 000 mehr als vor einem Jahr. Der massive Einsatz von Kurzarbeit hat nach BA-Angaben stärkere Anstiege verhindert.

In Deutschland geht die Kurzarbeit wegen der Corona-Krise laut einer Umfrage des Ifo-Instituts weiter zurück. Im Juli habe es in 42 Prozent der Unternehmen Kurzarbeit gegeben, die an der Ifo-Konjunkturumfrage teilnehmen, teilte das Forschungsinstitut am Donnerstag mit. Im Juni habe der Anteil der Unternehmen mit Kurzarbeit bei 46 Prozent gelegen, im Mai bei 53 Prozent.

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