Corona-Pandemie

Kreise fordern Lockerung bei niedriger Inzidenz

Menschen sind auf der Strandpromenade in Norderney unterwegs. Der Tourismus sei seit der Wiederöffnung der Hotels „gut angelaufen“, heißt es vom Dehoga. Foto: Bartels/DPA

Menschen sind auf der Strandpromenade in Norderney unterwegs. Der Tourismus sei seit der Wiederöffnung der Hotels „gut angelaufen“, heißt es vom Dehoga. Foto: Bartels/DPA

Von Martin Alberts und den Agenturen

Die Inzidenzen sinken, die Menschen wollen mehr Freiheiten. Mehrere Landkreise fordern deshalb Lockerungen für Kommunen mit niedrigen Inzidenzen. Aus dem Kreis Leer allerdings kommt eine Warnung.

Ostfriesland - Die Corona-Lage in Niedersachsen entspannt sich weiter: Die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz – also die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche – sank am Donnerstag auf 12,0. Eine Reihe von Landkreisen erreicht bereits eine Inzidenz von unter 10 – darunter auch die Kreise Leer (5,3) und Wittmund (3,5). In den Kreisen Friesland und Goslar war der Inzidenzwert am Dienstag sogar auf 0 gesunken. Inzwischen wurden dort zwar wieder vereinzelte Infektionen registriert, dennoch gibt es Rufe nach weiteren Lockerungen der Beschränkungen.

Sven Ambrosy (SPD), Landrat im Kreis Friesland, fordert die Landesregierung auf, die anstehende Novelle der Corona-Landesverordnung für weitere Lockerungen in Niedriginzidenzkommunen zu nutzen. Dem stimmt auch der Wittmunder Landrat Holger Heymann (SPD) zu: „Es ist in der Tat an der Zeit, den Menschen hier, bei aller weiterhin gebotenen Vorsicht, ihre gezwungenermaßen auf Zeit abgenommenen Freiheiten weitgehend zurückzugeben.“ Masken- und Testpflicht seien weiterhin nötig, so Heymann – seinem Amtskollegen in Friesland stimme er aber dahingehend zu, dass für Kommunen mit einer Inzidenz unter 10 Lockerungen bei den Kontaktbeschränkungen vorzeitig möglich gemacht werden sollten.

Dehoga zeigt Unverständnis für manche Corona-Auflagen

Die Landesregierung hatte am Dienstag weitere Schritte angekündigt, zeitgleich aber auch auf die Gefahren von Virusmutationen und einer möglichen vierten Welle im Herbst verwiesen. Eine Lockerung der Kontaktbeschränkungen insbesondere im privaten Bereich sei in Arbeit – unter der Voraussetzung, dass der Rückgang der Neuinfektionen weiter anhält, hieß es. Dass sich noch vor dem Auslaufen der aktuellen Corona-Verordnung am 24. Juni etwas ändere, sei aber unwahrscheinlich, weil die Auswirkungen der jüngsten Lockerungen auf die Infektionslage abgewartet werden müssten.

Handlungsbedarf sieht auch das Hotel- und Gaststättengewerbe: „Wir können diese Auflagen nicht mehr nachvollziehen“, sagt Birgit Kolb-Binder, Vorsitzende des Branchenverbands Dehoga in Ostfriesland. Sie verweist auf die Maskenpflicht, die bei privaten Feiern in Gastronomiebetrieben gilt – ebenso wie die Pflicht zum Nachweis eines negativen Corona-Tests. „Wenn alle getestet sind, gibt es keine Veranlassung mehr für Masken“, sagt Kolb-Binder.

Leeraner Landrat will zunächst lieber abwarten

Laut der Dehoga-Vorsitzenden ist das Tourismusgeschäft seit der Wiederöffnung der Hotels an der Küste „sehr gut angelaufen“. Die Corona-Beschränkungen würden von den meisten Gästen akzeptiert – zugleich seien sie aber auch ein Hemmnis, das manche von einem Urlaub abhalte, so Kolb-Binder. Auch Heymann appelliert an die Landesregierung, den Tourismus mit weiteren Lockerungen zu unterstützen: „Von den Gästen, die Niedersachsen und Ostfriesland dringend brauchen – denn hier gibt es viel aufzuholen – gehen, das hat die Pandemie bisher gezeigt, kaum Risiken aus, was das Infektionsgeschehen angeht.“

Weitere Lockerungen seien zwar ein „positives Signal“, so der Leeraner Landrat Matthias Groote (SPD). Er warnt zugleich aber vor Leichtsinn: „Zu schnelle Lockerungsoptionen können die bisherigen Erfolge schnell in den Schatten stellen. Eine Inzidenz von 10 ist schnell überschritten.“ Seiner Ansicht nach müsse zunächst abgewartet werden, wie sich die im Stufenplan der Landesregierung vorgesehenen Lockerungen in der Praxis bewähren. Groote: „Bleibt die Inzidenz auch in den kommenden Wochen so niedrig wie bisher, sollte man über generelle Lockerungen in ganz Niedersachsen nachdenken, und nicht noch eine weitere Regelungsebene einführen. Aktuell ist es aber noch zu früh für diesen Schritt.“

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Stefan Grensemann 10.06.2021, 23:41 Uhr

Wenn man den Menschen aber ständig nur etwas in Aussicht stellt und nicht umsetzt, obwohl die vorher genannten Bedingungen erfüllt wurden, dann darf man sich nicht wundern, wenn Regeln zunehmend missachtet werden.